Selbstbestimmte Geburt – warum ich mich für HypnoBirthing entschieden habe

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Die Geburt meiner ersten Tochter erlebte ich wie in Trance. Das ist fast drei Jahre her, aber an den Zustand der absoluten Fremdbestimmtheit kann ich mich erinnern als wäre es gestern gewesen. Damals habe ich „übertragen“ und die Geburt wurde von dem Platzen der Fruchtblase eingeläutet. In dem Moment, auf den ich überhaupt nicht vorbereitet gewesen war, verlor ich bereits die Kontrolle. Ich hatte keine Beleghebamme, da wir erst von Berlin an den Niederrhein gezogen waren, und deshalb rief mein Mann im Kreissaal an, um Rat zu bekommen was zu tun sei. Es hieß ich solle mich hinlegen und sobald wie möglich ins Krankenhaus kommen. Schon auf der Autofahrt bekam ich regelmäßige Wehen in kurzen Abständen. Ich war so überwältigt und verängstigt, dass ich schon diese Fahrt wie im Nebel wahr nahm. Dann im Krankenhaus bekamen wir einen Kreissaal zugewiesen, in welchem ich auf ein Bett gelegt wurde. Gleich bekam ich eine Infusion gelegt – mit irgendeinem Schmerzmittel zur Beruhigung. Gefragt wurde ich nicht.
Die Stunden vergingen und ich lag allein (mit meinem etwas hilflosen Mann) in dem Kreissaal im Bett. Ich fror und konnte mit den Wehen wirklich nicht umgehen. All die Tipps des veratmens aus dem Geburtsvorbereitungskurs waren wie weggeblasen. Ich stand nicht auf und es war auch keine Hebamme da, die mir irgendwelche Tipps zu Stellungswechseln etc. gegeben hätte. Mein Mann war hilflos und überfordert, jedoch sehr fürsorglich. Es tat ihm weh mich so zu sehen. Wir waren ganz allein und völlig überfordert. Ich dachte noch „warum hilft denn niemand? Warum kommt denn niemand?“. Zwischenzeitlich wurde mir ungefragt ein Einlauf gelegt, für den mein Mann rausgehen sollte. Dann auf Toilette, dann wieder ab ins Bett, wieder allein.
Fünf Stunden nach der Eröffnung der Fruchtblase wurde ich gefragt ob ich eine PDA wolle, es ginge nur noch jetzt. Ich war am Ende. Physisch und vor allem psychisch. Ich stimmte zu. Das war der schlimmste Teil für meinen Mann. Ich sollte ganz still sitzen, hörte hinter mir, wie die Ärzte rumwitzelten und mir ein OP Kittel angezogen wurde. Eine Hebamme fortgeschrittenen Alters, eine Engländerin, stand vor mir und zog mich an sich. Es war das erste Mal, dass ich mich etwas beschützter fühlte. Doch schon nachdem die PDA gesetzt war, war ihr Dienstwechsel. Sie ließ mich zurück und ich sank ich einen seltsamen Schlaf. Nach 3 Stunden dösen und endlich auch Wärme (wohl durch die PDA), spürte ich etwas in mir nach unten pressen. Es war 20 Uhr und die nun diensthabende Hebamme meinte, es würde nun soweit sein. Wir waren ziemlich verdattert. Ich spürte zwar einen Druck, wusste aber nicht wohin ich pressen oder atmen sollte. Ich war so betäubt überall, dass es nur kribbelte als seien mir die Gliedmaßen eingeschlafen nach. Nach kurzem Pressen war unsere Tochter dann da. Obwohl ich mir sehr freute, war ich auf der anderen Seite gefühllos. Ich fragte mich, warum ich dieses Wesen nicht sofort liebte und nicht vor Freude weinte. Ich fühlte mich wie abgeschnitten. Sie wurde mir an die Brust gelegt und schien auch zu trinken. Nach dem ersten Bonding kamen wir mit ihr auf unser Familienzimmer. Unsere Betten waren getrennt. Man fragte uns ob unsere Tochter über Nacht besser ins Säuglingzimmer solle, man würde sie bringen, wenn sie erwache. Auch hier stimmte ich zu. Ich war innerlich so betäubt und gefühllos, konnte nicht verarbeiten was geschehen war. Heute, kann ich absolut nicht mehr verstehen, wieso ich damals diese Entscheidung gefällt hatte.
Am nächsten Tag kamen Besucher und mein Baby war die ganze Zeit bei mir. Ich entwickelte langsam ein Gefühl für sie, empfand aber mehr Angst als Fürsorge. Am zweiten Tag gingen wir heim. Mir wurde gezeigt wie ich richtig stillte und dann konnten wir gehen. Zuhause begann ich bereits zu weinen. Ich fühlte mich so hilflos, hatte große Angst, dass dieses kleine Wesen sterben würde. Die erste Nacht saß ich in unserem Bett und hatte unser Kind auf dem Arm. Die ganze Nacht. Ich wollte sie nicht weglegen, sie nicht alleine lassen. Ich schaute sie nur an, wie sie in meinem Arm schlief. Mich überkam so viel Liebe und endlich empfand ich das, was ich mir erhofft hatte und was ich damals für gegeben hielt. Heute weiß ich, dass es ganz normal ist, wenn sich diese Liebe erst entwickelt. Noch jetzt spüre ich, dass meine Liebe immer mehr wächst, obwohl ich gar nicht mehr weiß, wohin sie noch wachsen soll. Mein Herz platzt bald. Für unser zweites Kind wünsche ich mir einen anderen Weg ins Leben. Einen selbstbestimmten und selbstbewussten Weg. Ich möchte mit dem Baby zusammen gebären, gemeinsam die Geburt erleben, mit all der Zeit und Ruhe, die wir brauchen. Deshalb habe ich mich für einen HypnoBirthing Kurs entschieden.

Das Konzept des HypnoBirthing

HypnoBirthing ermöglicht Frauen den Weg zu einer natürlichen Geburt und bestärkt sie in ihrem Vertrauen in ihre Fähigkeit, ihr Kind natürlich und aus eigener Kraft zu gebären. Es ist sowohl eine Philosophie, als auch konkrete Technik. (Quelle: hypnobirthing.ch)

Aus den Erfahrungen meiner ersten Geburt heraus wollte ich es diesmal unbedingt anders machen. Zum HypnoBirthing Konzept kam ich allerdings erst in der 32. Woche und auch nur durch Zufall. Irgendwie hatte sich der Begriff für mich bis jetzt immer sehr esoterisch angehört, weshalb ich ihn leider überlesen hatte. Da vor allem die Fremdbestimmheit während meiner ersten Geburt das ist was mich stört, konnte ich mich mit HypnoBirthing nun richtig gut vorbereiten. Zusammen mit meiner Kursleiterin lernte ich, dass es das natürlichste der Welt ist, ein Kind zu gebären. Ja, tatsächlich, ich musste es erst wieder lernen, was eigentlich angeboren sein sollte. Mehr über meine Erfahrungen mit dem Kurs könnt ihr in diesem Artikel lesen.

Auch diese Geburt wird „leider“ eine Klinikgeburt werden. Meine Hebammen aus dem örtlichen Geburtshaus schließen selbiges zu der Zeit, in der ich ausgezählt bin. Auch eine Hausgeburt war wegen des Trubels im Hebammenhaus nicht möglich. Zwar gäbe es die Möglichkeiten einer Alleingeburt, fühle ich mich damit jedoch nicht richtig wohl. Und das ist die erste Priorität für mich diesmal. Selbstbestimmt gebären mit einer Beleghebamme und meinem Partner zusammen. Die Angst, die durch meine erste Geburt entstanden ist, konnte mir der HypnoBirthing Kurs zum Glück nehmen. Ich hoffe ich konnte mit diesem doch sehr persönlichen Artikeln mehr Menschen Mut machen, sich für einen alternativen Geburtsweg zu entscheiden. Lasst euch nicht abschrecken, sondern probiert es aus. HypnoBirthing hat mir in vielerlei Hinsicht einiges vor Augen geführt. Doch dazu wie gesagt gibt es mehr in diesem extra Artikel.

 

 

Recap: Schwanger auf Sardinien – Entspannung pur

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Drei Sterne, die man sich durchaus leisten kann (und sollte)!

Zum Platz selber: Der Platz ist eine Drei-Sterne Platz und liegt wirklich mitten im Nirgendwo, was für uns wunderschön war. Die nächste Stadt ist 12 km entfernt und mit einem Bus zu erreichen, der 3 Mal am Tag dorthin fährt. Ein Tipp: Wenn man in die Stadt fährt unbedingt eher frühen Vormittag oder Abend auswählen, denn dann ist dort auch etwas los. Zur Mittagszeit halten die Italiener die berühmte Siesta und auf den Straßen herrscht Totenstille. Die Bungalowzelte reichen bis zu vier Personen, jeweils zu zweit schläft man in einer Kabine. Alles ist super sauber und wirklich gar nichts fehlt, denn außer Feldbetten gibt es Wolldecken, Kissen, eine kleine Küche mit Gasherd, einen Kühlschrank und Tisch und Stühle. Die Küche ist voll ausgestattet, mit allem, was man an Geschirr und Besteck zum Kochen benötigt. Wirklich empfehlenswert!

Wer braucht Sandstrände, wenn er Klippen haben kann?

Das tollste an diesem Platz ist, dass er direkt an einer kleinen Bucht liegt, die innerhalb von 2 Minuten zu Fuß zu erreichen ist. Zwar gibt es nur einen sehr, sehr kleinen Sandstrand, dafür aber umso mehr Klippen und Felsen, auf denen man sein Lager aufschlagen kann. Das Wetter war bei uns sehr sonnig und eigentlich nur trocken. Dementsprechend ist die ganze Insel sehr ausgetrocknet, was typisch für diese Jahreszeit dort ist. Zu sehen gibt es, bei einer Tour mit dem Roller über die Insel besonders toll, Olivenbäume, Zitronenplantagen, Kakteen, Pinienplantagen und Traubenplantagen. Es war richtig gut, als wir einmal in einem kleinen Ort Obst aus Italien kaufen konnten, den Unterschied schmeckt man so deutlich, dass es fast weh tut, wenn man an das importierte Obst in Deutschland denkt. Mich hat es mal wieder daran erinnert, auch in Deutschland noch mehr auf regionale Produkte zurück zu greifen.

DSCF358410 Tage Erholung pur

Was wir in diesen 10 Tagen gemacht haben, kann ich an einer Hand abzählen und genauso sollte es sein. Schnorcheln war eine von diesen Aktivitäten, die ich mit einem gewissen Nervenkitzel besonders genossen habe. Wir haben viele bunte Fische gesehen, außerdem Seeigel, Muscheln, Krebse, Quallen und eine sehr eindrucksvolle Grotte. Wie tief das Meer teilweise in Ufernähe war, war beeindruckend und hat mir das Wunder des Lebens vor Augen geführt. Ich kam mir extrem klein vor, eine Perspektive, die uns in der Stadt, aber auch an Land, nicht oft geboten wird, aber ungemein wichtig sein kann, um alles wieder ins rechte Licht zu rücken. Besonders stolz bin ich, dass ich meine Höhenangst überwinden konnte, und von einer Klippe gesprungen bin. Dies ist ein persönliches erstes Mal gewesen und somit ein unbeschreiblich schönes Gefühl.

Womit kommen wir zurück?

Mit noch viel mehr Reiselust und ein paar neuen Einsichten auf unseren Alltag. Mit einer Verbundenheit zwischen uns beiden, die wir noch nie gefühlt haben. Einer Lust auf Yoga und noch mehr Draußen. Auf Urlaub zu dritt, auf ein Leben auf dem Land. Wir wissen nun, wo wir hingehören. Diese Einsicht ist einfach unglaublich schön. Manchmal muss man erst aus seinem Alltag gerissen werden, sich am Meeresgrund ganz klein fühlen, um zu merken, wie schön man es doch eigentlich schon hat.